Der Tianmen Platz verschwindet beinahe unter den Schwaden aus Smog

1000 Elektroautos für Carsharingflotte in Tianjin

Kandi Electric Vehicles führt mit Hilfe von Geely Automobile 1000 Elektroautos in ein neues Carsharingprogramm ein. 

Luftverschmutzung ist in China ein mehr als ernstes Problem und jede Maßnahme dagegen ist wichtig. Erst gestern verkündete man für heute Alarmstufe Rot in Beijing aufgrund des dichten Smogs und der Luftverschmutzung verhängen zu wollen. Keine andere Stadt hat bisher jemals eine solche Stufe ausrufen lassen. Nachdem die Welt Gesundheits Organisation letzte Woche bekannt gab, dass die Veschmutzungsrate nun das 40-fache höher sei, als die als sicher eingestuften Werte, werden jetzt Kontermaßnahmen eingeleitet, um die Situation so schnell es geht in den Griff zu bekommen.

Junge mit Atemmaske vor Stadtautobahn in China

Ohne Maske ist die Luft nicht zu ertragen

Erschreckend? Zutiefst. Viele Kinder in China haben angeblich noch nie den Himmel gesehen. Ihr Leben lang nicht. Das Ausmaß des Schadens, welches der Smog annimmt, lässt sich vielleicht noch am besten an den ca. 4000 Menschen messen, die täglich aufgrund der Folgen der schlechten Luft sterben. Dies macht 17% der Tode in China aus. Ganz zu schweigen von den Atemwegs-, dermatologischen und sonstigen Erkrankungen.

Elektrautos als Lösungsansatz

Tianjin ist mit seinen 15 Millionen Einwohnern, die viertgrößte Stadt Chinas. Eine Flotte von 1000 Elektrorautos dürfte im Anbetracht der Lage ( und der Größe der Stadt) klein erscheinen, ist jedoch ein wichtiger Schritt, um die Einstellung der Menschen zum mobilen Transport zu verändern. Außerdem werden durch einen einzelnen Wagen eine Vielzahl an Privatwagen aus dem Verkehr geräumt. Auch die Straßen würden dadurch entlastet werden.

Kandi Electric Vehicles und Geely Automobile arbeiteten daran, 1000 K10 Elektorautos in das Carsharing Programm des Konzerns Tianjin Pang Da mit einzubinden. Die Fahrzeuge sollen bis Ende des Jahres fertig sein und sehen aus wie eine Kreuzung aus einem Smart und einem Mitsubishi MiEV – ein absolut stadttaugliches und kompaktes Modell also. Wann genau das Sharingprogramm startet, ist bislang noch ungeklärt.

Auf elektrisch wird vertraut

Chinas Politik unterstützte in letzter Zeit tatkräftig jegliche Initiativen, die dazu beitragen, die Luftqualität zu verbessern. Auch wurde in den letzten Jahren viel in erneuerbare Energien und Wind-, Solar- und Hydrotechniken investiert, welches die Bereitschaft, aber auch die Not bestätigt, endlich aktiv gegen das Problem vorzugehen.

shanghai-autobahn

Schlechte Luft auch in Shanghai – Autobahnen soweit das Auge reicht

Richtet man den Blick nur auf den Bereich der Mobilität, die bei den dichten Einwohnerzahlen der Großstädte zu massiver Luftverschmutzung führt, dann ist zu erkennen, dass das Vertrauen der Autofahrer – und somit der Politiker, aber auch der Investoren und Firmen, wie Foxconn oder Tesla – ertmals bei elektrischen Wagen liegt. Fahrer der kalifornischen Elektoautos beispielsweise bekamen in Shanghai ein Geschenk in Form von kostenlosen Kennzeichen. Dies ist eine Einsparung von ca. 10.000 Euro pro Wagenbesitzer, da die Kennzeichen ausgelost werden und sehr teuer sind, um die Anschaffung von weiteren Wagen in Ballungsräumen zu verhindern. Außerdem werden Fahrer von Elektroautos in China gleich komplett von Taxen und Steuern befreit.

Wichtige Schritte für die Zukunft

Elektrowagen wird betankt

Elektrische Wagen sind ein guter Schritt Richtung Verbesserung

Auch wenn 1000 Elektrowagen wenig erscheinen, sind sie ein wertvoller Schritt Richtung Verbesserung der CO²-Werte. Tianjin setzt ein Beispiel, das hoffentlich befolgt werden wird. In der Hauptstadt Beijing werden erstmal Millionen von Fahrzeugen den Straßen fern bleiben müssen, Fabriken und Bauunternehmen werden den Betrieb einstellen und sogar Schulen und Kindergärten müssen temporär dicht machen, solange die Alarmstufe noch gilt.

Für die Zukunft muss definitiv an einer besseren öffentlichen Verkehrsmittelinfrastruktur gearbeitet werden, mehr für Fahrradfahrer getan werden und die Industriegiganten auf die Art und Weise der Produktion kontrolliert werden. Dadurch, dass in China noch eine starke Abhängigkeit von Kohle herrscht und dadurch größtenteils die Produktionsenergie gewonnen wird, sind auch Elektorautos selbst nicht so sauber, wie in anderen Ländern. Trotzdem wird etwas dafür getan wird, die Situation einzudämmen zu verbessern. Besser zu spät als nie und besser langsamer als gar nicht.

Text: Anna Lazarescu

Bilder: fotolia