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Autonome Autos: die Zukunft hat schon begonnen

Autonome Autos: die Zukunft hat schon begonnen

Geradezu sprunghaft angestiegen ist in letzter Zeit die Anzahl der Newsartikel, die sich mit dem Thema „autonomes Fahren“ beschäftigen. Und dies aus einem guten Grund: Konzerne wie Volkswagen investieren nicht nur massiv in die Bereiche Elektromobilität und Connected Cars, sondern konkurrieren mit IT-Giganten wie Google auch um jene Technologien, die für das autonome Fahren erforderlich sind. Unter Branchenexperten wird damit gerechnet, dass ab 2020 die ersten hochautomatischen Fahrzeuge auf Deutschlands Autobahnen unterwegs sein werden. Und ab dem Jahr 2030, so drückte sich neulich der bei Daimler für die Forschung im Bereich autonomes Fahren zuständige Ralf Herrtwich aus, ist damit zu rechnen, dass „perfekte automobile Diener“ das Straßenbild prägen werden.

Mercedes-Benz hat beim Thema autonomes Fahren übrigesn mehr Kompetenz als Google. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Puls Marktforschung. BMW parkt auf dem dritten Platz. Hier zum weiterführenden Artikel.

Ein Überblick

Generell gelten alle Kraftfahrzeuge, die sich ohne direktes menschliches Eingreifen fortbewegen, als autonom. Die Idee vom selbstfahrenden Fahrzeug nahm ihren Anfang in den 80er und 90er Jahren, als renommierte Universitäten und Forschungsinstitute wie die Carnegie Mellon University erste vielversprechende Feldversuche unternahmen. Mittlerweile existiert in Deutschland auch auf Ministerebene die Überzeugung, dass autonomen Autos die Zukunft gehört. So initiierte das Verkehrsministerium zum Beispiel das „Digitale Testfeld Autobahn“, eine spezielle Teststrecke auf einem Abschnitt der A9, die später als Modellstrecke für vollautomatisierte Fahrzeuge dienen soll. In Amerika, das als Pionierland im Bereich autonomes Fahren fungiert, erkennt die staatliche Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA seit dem Frühjahr 2016 Computer als Fahrzeugführer generell an. Und auch die Versicherer ziehen nach: Schon bald sollen spezielle Tarife zur Versicherung des autonomen Fahrens auf den Markt kommen.

Die unbestreitbaren Vorteile des autonomen Fahrens

Wenn es um die Vorteile des autonomen Fahrens geht, muss an erster Stelle die Unfallreduktion genannt werden. Autonome Autos, die durch intelligente Technologie gesteuert werden, bauen, sofern die Technologie ausgereift ist, schlichtweg weniger Unfälle. Gerade Unfälle, die durch emotionales Fehlverhalten des Fahrers ausgelöst werden, gehören im autonomen Fahrzeugzeitalter der Vergangenheit an. Ein weiterer Vorteil ist selbstverständlich der Gewinn an Fahrkomfort. Viele gestresste Fahrzeughalter träumen davon, sich während des Fahrens statt um den Verkehr um „wichtigere“ Dinge wie Lesen, Familie oder Arbeit kümmern zu können. Autonome Autos lassen diese Zukunftsvision Wirklichkeit werden.

Können Zweifel an der Sicherheit ausgeräumt werden?

Ein wichtiger Punkt, der darüber entscheiden wird, ob die autonome Technologie sich durchsetzen kann, ist die Frage, ob die bei vielen Verbrauchern derzeit bestehenden Zweifel an der Sicherheit ausgeräumt werden können. Gelingt es den Autoherstellern jedoch, Systeme zu entwickeln, die ein Auto zuverlässig zwischen Hindernissen hindurchmanövrieren, dann steht dem erwarteten Siegeszug des autonomen Fahrens nichts mehr entgegen. Berthold Hellenthal vom Kompetenzcenter für elektronische Hardware und Halbleiter der Audi AG meint dazu: „Über 90 Prozent der Unfälle entstehen durch Fehler des Fahrers.“

Aber soll das Auto den Fußgänger oder den Fahrer töten? Diese eher moralische Frage entscheidet auch über das verhalten des Autos, wenn es zum Crash kommt. Als Fahrer steht man vor der Entscheidung weiter geradeaus zu steuern oder das Fahrzeug direkt zur Seite zu lenken. Die Person vor dem Wagen könnte ja noch beiseite springen, der Abhang neben der Straße würde nur vieleicht den Tod bedeuten. Aber wenn mein Baby hinten drin sitzt, was dann? Sowas kann man nicht programmieren, und dürfte es wohl auch gar nicht. Ein Fahrzeug mit utilitaristischem Programmiercode. Utilitarismus bedeutet Handeln nach dem Nützlichkeitsprinzip. Maschinen kennen nun mal keine Ethik.

Raúl Rojas, Professor für Informatik an der FU Berlin, meint dazu: „Der Idealzustand wäre, wenn das Auto gar nicht töten müsste“ Also mehr Verkehrssicherheit durch sichere Autos und weniger Tempo. Zudem sind zahlreiche rechtliche Fragen sind ungeklärt – etwa, ob der Fahrzeughalter oder der Hersteller bei Unfällen haftet.

Kamera oder Laser-Radar, das ist hier die Frage …

Welche Technologie für das autonome Fahren eingesetzt wird, ist beinahe so etwas wie eine Glaubensfrage. Google, das wie kaum ein zweiter Konzern in die autonome Technologie investiert, setzt in seinem Google Driverless Car auf Laser-Radar als System zur Erfassung und Interpretation der Umgebung. Mobileye hingegen, eine israelische Firma, die sich eine Schlüsselposition auf dem neuen Markt erhofft und unter anderem mit Volvo und Tesla kooperiert, setzt auf ein ausgeklügeltes Kamera-System zur blitzschnellen Verarbeitung der Umwelt. Auch Mobileye-Gründer Amnon Schaaschua rechnet übrigens damit, dass ab 2021 autonome Autos zum Alltagsbild gehören werden.

Christopher Mims hat im Wall Street Journal dazu nun eine interessante Prognose abgegeben: Er geht davon aus, dass autonom fahrende Autos zu einer Renaissance der weit entfernt liegenden Vorstädte im Grünen führen werden. Sorgen autonome Autos für eine Zersiedelung der Städte? Dieser Frage wird in einem Artikel bei „Trends der Zukunft nachgegangen.

Der Traum vom individualisierten öffentlichen Nahverkehr könnte in den Zeiten des autonomen Fahrens ebenso wahr werden. Selbstfahrende Busse und U-Bahnen könnten bald das Stadtbild bestimmen. In einem Positionspapier hat sich der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bereits Gedanken über „Zukunftsszenarien autonomer Fahrzeuge“ gemacht. Der VDV Verband geht davon aus, dass die Entwicklung unseres innerstädtischen Verkehrs in den nächsten zwanzig Jahren ganz klar auf selbstfahrende öffentliche verkehrsmittel hinsteuert.