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Schatten über dem Automarkt in China

Wenn China hustet, droht dem globalen Automarkt eine schwere Erkältung. Laut Verband der Internationalen Automobilhersteller OICA wurden im Jahre 2017 in China knapp 25 Millionen Fahrzeuge verkauft. Das sind rund 35 Prozent aller Neuverkäufe weltweit. In Deutschland werden jährlich dreieinhalb Millionen, in den USA etwa sechs Millionen Fahrzeuge verkauft. Kein Wunder also, dass die internationalen Automobilhersteller ihre Hauptmärkte in China sehen. Eine Sonderrolle spielt hier Volkswagen. Immerhin konnte Volkswagen in 2017 mit 3,2 Millionen etwa 40 Prozent seiner Autos in China mit einem Ertragswert von etwa drei Milliarden Euro absetzen. Mit 18 Prozent Marktanteil ist Volkswagen der Marktführer in China. VW produziert mit seinen chinesischen Partnern an 24 Standorten.

Anders sieht es bei den deutschen Herstellern ohne eigene Standorte in China aus. BMW setzte mit erheblichen Wachstumsraten in 2017 etwa 600.000, Mercedes-Benz etwa 500.000 Fahrzeuge ab. Seit Sommer diesen Jahres gehen die Verkaufszahlen in China, verglichen mit den Vorjahresmonaten des gleichen Zeitraumes, erstmals zurück. Im Juni betrug der Rückgang noch 3,7 Prozent, im August wuchs er bereits auf -7,4 Prozent an. Nachdem die Zunahme von 2016 auf 2017 im Jahresdurchschnitt noch bei 2,5 Prozent lag, sind das für die deutsche Automobilindustrie besorgniserregende Zahlen. Volkswagen bleibt von diesen Sorgen nicht unberührt, allerdings sind hier die Rückgänge des Absatzes, etwa im August mit 0,3 Prozent oder rund 10.000 Stück noch relativ moderat, absolut aber hoch. Hier zahlt sich für die Wolfsburger das seit 30 Jahren entschlossene Auftreten auf dem chinesischen Markt aus.

Nicht nur der Handelsstreit drückt die Käuferlaune in China

China hat sich besonders in seinen urbanen Zentren stark an westliche Konsumstandards angenähert. Es treten erste Sättigungseffekte auf und der Markt beginnt zunehmend, sich den Wachstumsraten in anderen Ländern der Welt anzupassen. Diese langfristige Marktanpassung wird durch den Handelsstreit deutlich verschärft. Der Streit führt zu steigenden Automobilpreisen in China. Gerade SUV, die in China einen hohen Marktanteil haben und für die Hersteller mit guten Deckungsbeiträgen als besonders interessant gelten, leiden unter der aktuellen Stimmungseintrübung bei den chinesischen Autokäufern. Der Handelsstreit verbreitet Unsicherheit hinsichtlich der Zukunftserwartung bei den Konsumenten in dem Riesenland.

Die Hersteller sind besorgt, dass die Chinesen verstärkt auf kleinere Fahrzeuge umsteigen könnten. Diese Gefahr wird noch dadurch verstärkt, dass die allgemeinen Lebenshaltungskosten, besonders die Mieten in den überfüllten Städten, stark steigen. So entstehen für das Budget der Chinesen für Automobile weitere Unsicherheiten. Infolge des Handelsstreits mit den USA wuchsen die Importzölle für US-amerikanische Fahrzeuge auf bis zu 40 Prozent an. Davon sind auch Daimler und BMW betroffen, die ihre Fahrzeuge für den chinesischen Markt vornehmlich in den Südstaaten der USA produzieren. Vor diesen Risiken ist Volkswagen zwar geschützt. Gleichzeitig ist der VW-Konzern aber gerade wegen seiner zehnmal höheren Verkaufszahlen im Vergleich zu BMW und Daimler besonders empfindlich, da sich prozentuale Rückgänge sofort in sehr hohen Stückzahlen auswirken.

China VerkehrNur die Elektroautos boomen weiter

Der größte Hersteller von SUV in China ist Great Wall Motor. Das Unternehmen hat die Senkung der Preise für seine SUV um bis zu 30 Prozent angekündigt. Das setzt die deutschen Hersteller in China erheblich unter Druck. Solche Rabattaktionen galten bisher in einem wie von selbst stark wachsenden Automarkt als überflüssig. Sie zeigen den strukturellen Wandel mit für die Hersteller beißender Schärfe an. Volkswagen ist vom Zollstreit mit den USA nicht direkt betroffen, wohl aber BMW und Daimler. Gerade in diesen Wochen hat VW drei neue Produktionsstandorte in China eröffnet. Volkswagen ist mit seinen hohen Produktionszahlen stärker vom chinesischen Markt abhängig als seine deutschen Konkurrenten. BMW und Daimler werden dennoch aufgrund ihrer Verwicklung in den Handelsstreit erhebliche Deckungsbeiträge pro Stück verlieren, bei Volkswagen ist dies mehr ein Massenproblem. Der Trost, dass die amerikanischen Konkurrenten, allen voran Ford, von den Rückgängen noch stärker betroffen sind, dürfte allerdings die eigenen Sorgen nicht aufheben.

Experten sind sich jedoch einig, dass der Handelsstreit nicht die einzige Ursache der Verkaufsrückgänge in China ist. Insoweit könnte sich in dem größten Autoabsatzmarkt der Welt aus Handelsstreit, hohen Zöllen, steigenden Lebenshaltungskosten und einer Änderung des Konsumentenverhaltens hin zu erhöhtem Preisbewusstsein ein für den globalen Automarkt explosives Gemisch ergeben. Zwar ist Volkswagen vor den Folgen des Handelsstreites durch seine umfänglichen Produktionsstandorte in China weitgehend geschützt, nicht aber vor der drohenden Änderung des Käuferverhaltens. Das wirkt sich durch die hohen Marktanteile bei Volkswagen stärker aus als bei den Wettbewerbern.

BMW und Daimler dagegen werden erheblich unter dem Handelsstreit zu leiden haben. So besteht bei allen deutschen Herstellern erhebliche Sorge, wenn sie auf die Entwicklung der Verkaufszahlen und der Deckungsbeiträge in China in den nächsten Monaten schauen. Völlig unberührt von diesen Eintrübungen bleibt in China der Markt der Elektroautos. Das Wachstum betrug hier laut Mitteilung des chinesischen Automobilherstellerverbandes in der ersten Jahreshälfte 2018 mehre als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den Neuzulassungen haben die Elektroautos in China bereits die Fünf-Prozent-Marke erreicht. In Deutschland liegt diese Marke immer noch bei nur knapp einem Prozent.