Brigitta Worringen macht es offiziell: Es müssen mehr Cargo-Fahrräder auf die deutschen Straßen. Die Fahrradbeauftragte des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung spricht sich für mehr der Lastenfahrräder aus, da mehr als drei Viertel der gesamten Strecken in Deutschland unter 10 Kilometer betragen. Alleine durch die Reduzierung des Verkehrs mit dem Auto und der Umstieg auf Fahrräder und Lastenfahrräder für Strecken unter zehn Kilometern, würden den Karbonfußabdruck des Landes beträchtlich senken. Deutschland investiert bereits etwa 80 Millionen Euro jährlich in eine Infrastruktur des Fahrradverkehrs. Für Worringer ist klar, dass ein Cargo-Fahrrad die sauberste und leiseste Alternative ist, über kürzere Strecken kleinere Güter und Lasten bequem zu transportieren.

Solche Ansätze müssten bereits bei Firmen aufkeimen, die einen Teil Ihres Transports mit solchen Rädern abdecken könnten. Restaurantlieferdienste oder Cateringfirmen könnten Aufträge einer passenden Größenordnung geschickt abdecken, wie 2013 bei einer Konferenz bewiesen wurde, die Cargo-Fahrräder für die Essenszustellung und die Promotion nutzte. Selbstverständlich bedeutet dies ein Umdenken, ein Umorganisieren und die Bereitschaft einen Schritt nach vorne zu machen. Seit Jahren wird darüber gesprochen, wie man den Arbeitsplatz grüner gestalten kann: ein Cargo-Fahrrad wäre eine der vielen, aber sehr wirksamen Möglichkeiten. Unternehmen wie UPS machen es bereits vor. In sechs deutschen Städten wird per Cargo-Bike ausgeliefert. Projekte, wie „I substitute a Car“ sind ebenfalls Wegweiser in diese neue Richtung.

Worringen setzt auf ebendiese Planung und Struktur. In der „Untersuchung des Einsatzes von Fahrrädern im Wirtschaftsverkehr“ stellten Sie und Ihre Kollegen einen Leitfaden, wie auch die positiven Aspekte des Transportes durch die Lastenfahrräder, vor.

Ein Auszug daraus macht den Impact einer solchen Umstellung deutlich:

„In Paris werden Lastenräder für die Auslieferung auf der letzten Meile 
eingesetzt. Der Hersteller „La Petite Reine“ in Epinay sur Seine nördlich von 
Paris, ein Start Up, gehört zu Stars Service, ein Marktführer bei Hauslieferungen 
in Paris. Die Lastenfahrräder von La Petite Reine sind mit 1400 Liter großen 
Containern ausgerüstet und können bis zu 180 Kilogramm Waren 
transportieren. Täglich bedienen 40 Fahrer rund 3000 Unternehmen und 
Privatwohnungen. Durch diese Art der Auslieferung sind nach Angaben von Dr. 
Laetitia Dablanc (French Institute of Science and Technology for Transport, 
Development and Network) innerhalb von zwölf Monaten 600.000 
Tonnenkilometer mit regulären Lieferwagen und ein Ausstoß von 203 Tonnen 
C02 und 84 Kilogramm Feinstaub vermieden worden.“

Am schwierigsten gestaltet sich bislang die Ausweitung der Fahrradwege und das Schaffen von adäquaten Parkplätzen am Arbeitsplatz und Zuhause. Die Investition in eine Infrastruktur dieser Art würde das Stadtbild nachhaltig beeinflussen. Es wären weniger Autos unterwegs, es wäre leiser, Verkehrsballungszentren könnten entlastet werden, die Luftqualität würde sich verbessern und durch die körperliche Aktivität auch die Lebensqualität steigen. Es gäbe neben normalen Stellplätzen verstärkt welche für Räder und die Fahrradwege würden breiter. Es steckt viel Organisation dahinter, aber machbar und vor allem effizient, wäre es auf alle Fälle. Nur das Fahren darauf will für den einen oder anderen noch Geübt werden.

 Text: Anna Lazarescu

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