Moderne Tram im Osloer Stadtzentrum

Keine Autos mehr in Oslo

Bis 2019 sollen im Zentrum der norwegischen Hauptstadt keine Autos mehr fahren.

Europa kümmert sich verstärkt darum den Verkehr und damit der Umweltverschmutzung Einhalt zu bieten. Erst im September gab es am 27. in Paris den „Paris sans Voiture“-Tag. Kein Auto durfte hier an zentralen Punkten und wichtigen Orten in Paris mehr fahren. Das reduzierte die Abgaswerte an einigen Stellen um bi zu 40%. Jetzt will auch Oslo dies möglich machen, allerdings dauerhaft.

Falls Norwegens Pläne klappen und Oslos Stadtkern von Autos komplett zu befreien, wäre sie die erste EU-Hauptstadt, die diesen Wandel wahr macht. Die Pläne der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sehen dahingegen eher weniger spektakulär aus. Paris soll bis 2020, ein Jahr später als das Osloer Vorhaben, fahrradtauglicher und für fussgängerfreundlicher werden. Auch sollen Dieselwagen aus dem Stadtkern verschwinden.

London und Madrid können sich bislang nur mit einer Congestion Charge, der Staugebühr, in ihren Stadtkernen rühmen. Oslo will gleich ganz auf Autos verzichten. Bislang gelang es der Stadt nicht unter den angestrebten Emissionswerten zu bleiben. Es wird daran gearbeitet den Automobilverkehr in den nächsten 15 Jahren um ein Drittel zu senken.

So soll Oslo aussehen

Oslo Oper

Wie soll man nun vorwärts kommen? Mit den Öffentlichen, mit dem Fahrrad oder zu Fuss. Zwar werden Privatautos aus dem Verkehr verbannt, trotzdem fahren noch Busse, Trams und Lieferfahrzeuge, die ihre Waren verteilen müssen. Auch sollen Fahrzeuge für Körperbehinderte und Mobilitätseingeschränkte zugelassen werden und natürlich Polizei- und Kranken- wie auch Feuerwehrwagen davon ausgeschlossen sein.

Zudem soll Geld in Fahrradstrecken mit einer Gesamtlänge von 60 Kilometern investiert werden. Die gesamte Verkehrsinfrasturktur soll dafür erneuert werden. Mehr Tramlinien, anstelle von Bussen sollen fahren und eine U-Bahn im Stadtkern muss her. Neue Gesetze sehen vor Fahrbahnen für Elektrofahrzeuge und Busse zu kreieren – bei einer Fehlnutzung wird abgestraft werden. Parkplätze die bislang Fahrradstellplätze behinderten oder Fahrradbahnen unterbrochen haben, werden abgeschafft und auch die Taxen für Parkplätze sollen steigen. Auch in Elektroräder will man investieren.

Kritik am Plan

Aker Brücke in Oslo

Das Verbannen der Autos im Zentrum wird dafür sorgen, dass den Besuchern und Einwohnern das Einkaufen mehr Spaß macht und zudem profitabler wird, so Lan Marie Nguyen Berg, eine der Wortführenden der Grünen. Ladenbesitzer sind sich da nicht so sicher. Denn wer kein Auto mehr hat, kauft weniger ein, nimmt eventuell sperrigeres nicht mehr mit. Im Endeffekt lässt sich also nur vermuten, dass der Stadtbummel um einiges schöner und leiser wird, sicherer definitiv, und vielleicht die Absatzzahlen etwas sinken werden. Doch wer weniger Geld in den Tank investiert, kauft wahrscheinlich auch mehr an anderen Stellen ein. Außerdem könnte ein Stadtkern der frei von Autos ist ein Ort für gemeinschaftliche Aktivitäten, Festivals, Märkte und so weiter werden. Gemeinsam für eine grünere Zukunft – das ist es wofür sich die Stadtverwaltung Oslos stark macht. Eine saubere Luft atmet schließlich jeder gerne.

Text: Anna Lazarescu

Bilder: fotolia