Norwegen – Pionier in Sachen E-Mobility

Gut möglich, dass du dir verwundert die Augen reiben wirst, wenn du als Gast nach Oslo – Norwegens Hauptstadt – kommst: Während sich in deutschen Großstädten auch heute noch der Anteil an E-Autos eher bescheiden ausnimmt, sieht dies im Norwegen des Jahres 2019 ganz anders aus: Hier freut man sich zurzeit darüber, dass das Land auch im vergangenen Jahr seine Spitzenposition in Sachen E-Mobility verteidigen konnte. Der Anteil der neu zugelassenen E-Autos liegt seit Jahren konstant jenseits der 30-%-Marke. Berücksichtigt man in der Statistik auch Plug-in-Hybride, dann kommt man auf einen Wert, der jeden Fachmann in Deutschland staunen lässt: Jedes zweite neu zugelassene Auto in Norwegen ist ein Stromer oder Hybrid. Die Modelle, die in den Verkaufscharts ganz weit oben stehen, werden dir bekannt vorkommen. Bei den Top 3 handelt es sich durchweg um E-Autos, die auch in Deutschland beliebt sind: An Position 1 der Nissan Leaf, an zweiter Stelle der e-Golf von VW, gefolgt vom BMW i3. Angesichts dieser überwältigenden Popularität stellt sich natürlich die Frage: Woran liegt das? Warum sind in Norwegen E-Autos derart beliebt?

Staatliche Förderung als Motor des E-Hypes

Norwegen verfolgt in puncto E-Mobility ein klares Ziel: Im Jahr 2025 sollen sich unter den Neuzulassungen ausschließlich Elektroautos und keine Verbrennungsmotoren mehr befinden. Und wenn man die bisherige Entwicklung betrachtet, dann erscheint dieses ambitionierte Ziel durchaus realistisch. Zu Beginn des E-Hypes im Jahr 2013 lag der Anteil bei rund 5%, heute sind wir schon bei rund 50% angelangt – ob das ewig so weitergeht? Die politische Führung in Oslo jedenfalls tut alles dafür, damit das Land DER Vorreiter im Bereich E-Mobility bleibt. Und genau dies – der Wille der Politik – ist auch der Hauptgrund für Norwegens viel zitierten E-Hype. Staatliche Förderungsprogramme sorgen dafür, dass E-Autos im Vergleich zu Verbrennern schlichtweg um ein Vielfaches attraktiver sind. Einige Beispiele: Du musst in Norwegen, wenn du ein E-Auto kaufst, weder die übliche Kaufsteuer (immerhin im Schnitt bei Benzinern rund 10.000 €) noch die ebenfalls obligatorische Kfz-Steuer und Mehrwertsteuer in vollem Umfang zahlen. Neben diesen Vorteilen bei der Anschaffung kommst du auch im E-Mobility-Alltag ständig in den Genuss von Privilegien. So darfst du zum Beispiel, wenn du mit Stromer unterwegs bist, in Oslo kostenlos parken und musst auf vielen Straßen keine Maut zahlen. Ein wenig umstritten – vor allem bei Busfahrern und Taxifahrern – ist dagegen ein weiteres Privileg für Fahrer von E-Autos: Du darfst mit deinem Stromer die für Busse und Taxen reservierten Busspuren benutzen. Das ist gerade in der Rushhour in einer Metropole wie Oslo ein gigantischer Vorteil! Kein Wunder also, dass viele Norweger in den letzten Jahren von einem Benziner oder Diesel auf ein E-Auto umgestiegen sind. Doch es kommt noch besser: In Oslo ist der Strom für E-Autos kostenlos! Die – bekanntlich sehr wohlhabende – Stadt übernimmt die Kosten für dich. Kurzum: Wer das beliebte EL – das Kennzeichen für Elektroautos in Norwegen – hinter der Frontscheibe prangen hat, gehört in Oslo und Norwegen automatisch zu einer privilegierten Kaste! Ob dies auch in Zukunft so bleibt? Es mehren sich die kritischen Stimmen, die ein Ende des E-Hypes erwarten bzw. sogar fordern.

Gegenwind für Stromer? Ein Ausblick in die Zukunft

Bislang schien der Aufstieg der E-Mobility in Norwegen eine Einbahnstraße zu sein: Immer mehr Politiker, die sich für E-Mobility aussprechen, immer mehr Bürger, die auf E-Autos umsteigen, und in der Folge immer mehr Neuzulassungen von elektrisch betriebenen Autos. Doch der Boom scheint – glaubt man einigen Experten – an eine Grenze gelangt zu sein. Die Förderung koste auf die Dauer zu viel, selbst ein reiches Land wie Norwegen könne sich dies auf lange Sicht nicht leisten, so die kritischen Stimmen, die vermehrt zu hören sind. Auch der dringend notwendige Ausbau des Ladenetzes könne – so die Experten weiter – nicht ausschließlich durch die öffentliche Hand bezahlt werden. Private Investoren jedoch sind derzeit noch rar.

Den kritischen Stimmen, die ein Ende des E-Hypes in Norwegen erwarten, stehen nicht wenige gewichtige Gegenstimmen gegenüber. Viele Norweger sind begeistert von der Geräuscharmut und der Umweltfreundlichkeit von Leaf, i3, e-Golf & Co. Auch mächtige Interessenvertretungen wie der Verband für Besitzer von Elektroautos Norsk Elbilforening haben mittlerweile ein Wörtchen mitzureden, wenn es darum geht, in welche Richtung das an Öl und Gas reiche Norwegen in Zukunft steuern wird. Es bleibt also spannend im hohen Norden!

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