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Tipps zum Autofahren im Herbst: Wildunfälle – die unberechenbare Gefahr aus der Dunkelheit

Es ist so schön, in der sanften Dämmerung durch Felder und Wiesen zu fahren. Doch plötzlich wird die Idylle jäh durchbrochen: Ein Tier springt, wie aus dem Nichts aufgetaucht, kurz vor dem Fahrer auf die Fahrbahn. Durch das aufgeblendete Fernlicht geblendet, tänzelt es irritiert auf der Stelle. Der Fahrer erschrickt und bremst so massiv, dass das Fahrzeug in Kombination mit den unglücklichen Ausweichversuchen ins Trudeln gerät und im Unterholz landet. Man kann nur hoffen, dass der Schaden durch diese Wildunfälle nicht allzu groß ist und niemand verletzt wird.

Solche und ähnliche Ereignisse geschehen in Deutschland leider täglich. Der Deutsche Jagdverband zählt mehr als 250.000 Wildunfälle pro Jahr. Rechnerisch bedeutet das, dass es etwa alle zweieinhalb Minuten zu einem Wildunfall kommt. Dabei gibt es noch eine hohe Dunkelziffer, weil nicht alle Wildunfälle gemeldet werden. Besonders im Winter ballen sich die Unfälle aufgrund der verlängerten Dunkelheit am Morgen und Abend. Denn wenn es dämmert, sind Wildtiere besonders aktiv und sorgen deshalb für besonders hohe Gefahr. Am Waldrand und an Feldrändern ist sie am größten. Leider kommt es bei Wildunfällen manchmal zu schweren Verletzungen oder sogar zu Todesfällen bei den Fahrzeuginsassen. Deshalb darf die unberechenbare Gefahr aus der Dunkelheit nicht unterschätzt werden!

Technische Vorkehrungen helfen nur wenig

Straßenbauer und Wildfachleute versuchen seit Jahren, durch technische Vorkehrungen wie Reflektoren die Gefahr in den Griff zu bekommen. Tatsächlich wissen wir inzwischen aber, dass solche Maßnahmen nur wenig nutzen. Dies haben wissenschaftliche Langzeituntersuchungen des ADAC leider eindeutig belegt. Das Tier folgt auf der Suche nach Futter oder einem Partner einfach seinen natürlichen Trieben, es weiß ja nicht um die Gefahr und kann sich auch nicht an sie gewöhnen. Das ist bedauerlich, aber wohl unabänderlich. Dabei kann es durch Wildunfälle zu erheblichen Schäden kommen. Selbst bei kleinen Tieren droht Todesgefahr, weil der Fahrer unter Umständen erschrickt, hektisch reagiert und im Ergebnis gegen einen Baum fährt, anstatt die viel geringere Gefahr einer Kollision in Kauf zu nehmen. Doch auch die hat es in sich: Bei großen Tieren kann sie, vor allem ungebremst, zu erheblichen Beschädigungen am Unfallwagen führen und zu Verletzungen der Insassen führen. Ein Damhirsch wiegt etwa 60, ein Wildschwein bis zu 100 und ein Rothirsch um die 200 Kilogramm.

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Der einzige Schutz gegen Wildunfälle ist Vorsicht

So bleibt dem Autofahrer nur eine Lösung, um sich, seine Mitfahrenden und sein Fahrzeug wirksam zu schützen: Im Wald und auf Feldern, besonders an den Rändern und in der Dämmerung, ist extreme Vorsicht geboten. Oft, aber nicht immer, weisen Warnhinweise auf die Gefahr hin. Dort, wo die Fachleute von Wildpfaden wissen, die über Straßen führen, werden die bekannten Schilder mit dem springenden Tier im roten Dreieck aufgestellt. Diese Warnungen sollten Sie ernst nehmen und nicht schneller als 80 Stundenkilometer fahren. Sie reduzieren damit den Bremsweg gegenüber dem einer Geschwindigkeit von etwa 100 Stundenkilometern um rund 25 Meter, was ein gewaltiges Stück Weges ist. Leider bietet selbst diese Vorsicht einen großen, aber keinen absoluten Schutz. Springt ein Tier direkt vor Ihnen auf die Fahrbahn, kann schon die Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern zu schnell sein und nicht mehr für eine rechtzeitige Bremsung ausreichen. Allerdings sinkt die Kollisionswahrscheinlichkeit massiv, je langsamer Sie fahren.

Geraten Sie direkt in eine solche Situation, seien Sie vorsichtig mit einer Vollbremsung, um nicht ins Schleudern zu geraten und bremsen Sie, je nach Ausstattung Ihres Fahrzeugs vom Bremsassistenten unterstützt und wetterabhängig entschlossen, aber kontrolliert. Blenden Sie ab und hupen Sie. Im Sekundenbruchteil des Aufpralls sollen die Hände nicht am Lenkrad sein, damit es nicht zu unkontrollierten Lenkbewegungen kommt. Bei Kleintieren wie Hasen nehmen Sie die Kollision lieber in Kauf, als sich durch Radikalbremsungen zu gefährden. Weichen sie der Kollision auf keinen Fall unkontrolliert aus. Die Gefahr für Sie durch die Kollision mit dem Gegenverkehr oder gar einem Baum ist viel größer als durch den Zusammenstoß mit dem Tier.

Falls es zu einer Kollision gekommen ist, die Sie einigermaßen unbeschadet überstanden haben, parken Sie Ihren Wagen mit Warnblinklicht am Straßenrand und sichern Sie die Unfallstelle vorsichtig. Leisten Sie, falls notwendig, Erste Hilfe bei Fahrzeuginsassen und rufen Sie Polizei und Rettung über die 110. Die Polizei wird Ihnen auf Wunsch den Namen des Jagdpächters nennen. Dieser kümmert sich auch um eventuell verletzte Tiere, denen Sie sich auf keinen Fall nähern sollten. Der Pächter oder die Polizei fertigen eine Bescheinigung aus, die Sie für die Abwicklung der Versicherung benötigen. Dokumentieren Sie den Unfall möglichst mit Fotos.

reh