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Auswirkungen der Fahrverbote für Oldtimer und Youngtimer

Drohen bald auch Fahrverbote für Oldtimer, die mit Benzin fahren? Derzeit sorgt ein Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden für Aufregung. Wie in vielen anderen großen Städten hat auch Frankfurt am Main unter den hohen Stickoxidwerten zu leiden. Das brachte die Deutsche Umwelthilfe auf den Plan. Der Verband erhob Klage vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden wegen Überschreitung der Grenzwerte und die Entscheidung bedeutet womöglich auch Fahrverbote für Oldtimer und Youngtimer.

Das Gericht entschied nun, dass ab dem 1. Februar 2019 nicht nur ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge bis zur Abgasklasse Euro 4 gilt, sondern davon auch Benziner erfasst werden, die der Euroklasse 1 und 2 angehören. Damit ist Frankfurt bundesweit die erste Stadt, in der ab dem kommenden Jahr auch ältere benzinbetriebene Pkw Einschränkungen unterliegen. Grund der Regelung ist, dass die Benziner der Euroklasse 1 und 2 nach Erhebungen des Umweltbundesamtes ähnlich viele Schadstoffe ausstoßen wie ältere Autos, die mit Diesel fahren. Wir diskutieren die Ursachen und möglichen Folgen wie zum Beispiel Fahrverbote für Oldtimer.

Warum auch Benziner Dreckschleudern sind

Der Stickstoffausstoß der Fahrzeuge der Euroklasse 1 und 2 ist nicht das einzige Problem. Viele Benziner, die heutzutage auf deutschen Straßen unterwegs sind, sind mit einem Direkteinspritzer ausgerüstet. Dabei wird das Benzin mit sehr hohem Druck in den Motorraum gespritzt. Durch diese Technik wird rund 15 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht und damit zugleich der CO2-Ausstoß verringert. Auf der anderen Seite wird bei dem Verbrennungsprozess ein hoher Anteil an Feinstaubpartikeln produziert. Dieser führt ebenso wie der Stickoxidausstoß zu einer hohen Luftverschmutzung und kann gravierende Gesundheitsschäden auslösen. Denn wir atmen die winzig kleinen Teilchen unbemerkt ein, an die sich Schadstoffe anheften können, die dann über die Lunge in unseren Blutkreislauf gelangen und dort zahlreichen Erkrankungen verursachen können – wie etwa Asthma, Herz-Kreislauf-Störungen oder Krebs. Die neu zugelassenen Fahrzeuge müssen mit Partikelfiltern ausgestattet sein, aber für ältere Fahrzeuge gilt dies nicht. Deshalb fordern bereits vereinzelt Politiker nicht nur Fahrverbote, sondern ein generelles Verbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, über das auch in anderen europäischen Staaten nachgedacht wird.

Konsequenzen für den Fahrzeugmarkt älterer Benziner

Sollte das Wiesbadener Urteil Schule machen, dann könnten bundesweit zukünftig etwa fünf Millionen Fahrzeuge der Euroklasse 1 und 2 von Fahrverboten betroffen sein. Dies hätte nicht nur gravierende Folgen für Autofahrer, unter denen Pendler besonders zu leiden hätten. Der DEUVET Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge e.v. warnt davor, die Fahrverbote für Oldtimer könnten auch dazu führen, dass zahlreiche Youngtimer – also Pkw, die 20 Jahre oder älter sind – sowie andere ältere, aber im Grunde noch erhaltenswerte Fahrzeuge zugunsten von Neuanschaffungen verschrottet werden. Dazu gehören Klassiker wie der VW Golf VR6, der VW Polo G40 oder der Renault Clio Williams. Dies hätte auch spürbare Auswirkungen auf den Oldtimermarkt, da dann viele Pkw bereits vor Erreichen der Altersgrenze von 30 Jahren, ab der sie als historisches Fahrzeug gelten, verschrottet werden könnten.

Wie kann dieses Dilemma gelöst werden?

Klar ist, dass wir uns nicht den Gefahren weiterer Luftverschmutzungen aussetzen können. Abgasexperten meinen aber, dass auch ältere Fahrzeuge ohne Partikelfilter nachgerüstet werden können. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, das Feinstaubproblem mit dem Einbau eines Vier-Wege-Katalysators in den Griff zu bekommen. Die Kosten für die Umrüstung werden auf circa 300 bis 400 Euro pro Fahrzeug geschätzt. Der Stickoxidausstoß bei Youngtimern oder Oldtimern kann ebenfalls durch leistungsfähige Katalysatoren spürbar gesenkt werden. Je nach Fahrzeug kommt der Einbau eines Upgrade-Katalysators, eines Kaltlaufregelsystems oder eines Zusatzkatalysators in Betracht. Besonders teuer wird es natürlich dann, wenn der Wagen noch gar keinen Katalysator hat und komplett nachgerüstet werden muss. Einige Unternehmen bieten solche Nachrüstlösungen an, für die Fahrzeughersteller lohnt es sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht, da die Nachfrage bislang zu gering ist. Man sollte aber bei aller Freude an Oldtimern nicht die Augen davor verschließen, dass langfristig Fortschritte nur mit dem Ausbau der Elektromobilität erzielt werden können. Daneben müssen auch angesichts des stetig steigenden Verkehrsaufkommens die Angebote im öffentlichen Nahverkehr deutlich erweitert werden. Wünschenswert wäre zudem, dass die Städte ihr Radwegenetz vergrößern und den Bürgern so eine echte Alternative zum Autoverkehr bieten.